Body Percussion
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MUSIK und BILDER - FARBEN und KLANGFARBEN

 

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Body Percussion - Körperinstrumente

Geschichte der Körperinstrumente

Der Beginn sind eigentlich die Trommelübungen der Schimpansen. Sie sind eine der frühesten und ursprünglichen Formen des Gesellschaftstanzes vor uns. Der (primitive) Mensch vergangener Urzeiten ist vielleicht Tänzer und Musiker in einer Person gewesen. Tanzgesten waren zugleich Klanggesten, der tanzende Körper erzeugte gleichzeitig Geräusche, die dann vielleicht immer bewusster wahrgenommen und gestaltet wurden.

Erzeugte Geräusche: das Treten, Stampfen und springen der Füße, ihr Gleiten, Schleifen und Schlurfen am Boden und evtl. das Rascheln der Bast- und Blätterröcke. Körper-Schläge, die der Tänzer im Hochgestimmtsein  oder Fanatismus an sich selbst vollzieht. Der Körperschlag erfolgt aus dem Schlagen mit der flachen Hand auf die verschiedensten Körperregionen oder auch als Fausttrommeln auf den Brustkorb. Aber auch das Aneinanderschlagen der Oberschenkel (in Frauentänzen) rechnet dazu. Der rhythmisch-klanglich variabelste Körperschlag ist das Aneinanderklatschen der Hände als Flachhand- oder Hohlhandschlag, deren Wechsel reizvolle Klangwirkung ergeben. Als letztes sei das Fingerschnalzen erwähnt.

Beschreibung – Technik

Die Füße

Die Bewegung der Beine sind (normalerweise) gleichmäßig und verkörpern somit das musikalische Grundelement Metrum. „ Das taktmäßige rhythmische Stampfen gehört bei den Naturvölker sehr wesentlich zum Tanz.“
Für die praktische Arbeit mit Körperpercussion ist hierbei der Aspekt des Bodens wichtig. Ob das Stampfen auch klingt, hängt vom Untergrund ab. Holzböden und evtl. auch Kunststoffböden ergeben einen guten Resonanzklang, während Teppichböden oder gar ein Betongrund keinen befriedigenden Klang ergeben und im letzteren Fall auch für die Gelenke bedenklich sind.
Der nächste Schritt zur klanglichen Differenzierung der Fußaktionen ist das Tragen von Schuhen. Sie erzeugen schlurfende, tapsende, prasselnde Hacken-, Ballen- und Spitzengeräusche.

Der Spaziergang

Die praktische Fußarbeit beginnt mit einem Spaziergang (auf möglichst klingendem Boden sowie Schuhe mit fester Sohle).
Zuerst werden verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, den Fuß aufzusetzen und dabei unterschiedliche Klänge zu erzeugen (durch das Gehen sind alle Fußaktionen Schritte mit Gewichtsbelastung):

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        normaler Schritt

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        energischer Stampfschritt

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        mit dem ganzen Fuß schlurfen

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        nur auf dem Ballen gehen

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        nur auf den Fersen gehen

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        abrollendes Aufsetzen von der Ferse zum Ballen, schnell ausgeführt

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        umgekehrte Ausführung vom Ballen zur Ferse, schnell ausgeführt ergibt einen leichten Wischklang mit dem Ballen

Anstatt ein Lied klatschend zu begleiten, kann man auch einmal – im wahrsten Sinne des Wortes – mitgehen, d. h. die Stimmung einer Melodie oder eines Textes mit verschiedenen Fußklängen begleiten (und somit das Lied quasi mittanzen).

Die Hände

Die Hand ist mit Sicherheit das wohl am weitesten verbreitete Instrument auf dieser Welt. In der Personalunion von Musiker und Tänzer übernehmen die Füße den Part der rhythmisch – tänzerischen Bewegung, die Stimme gestaltet die melodische Linie, während die Hände noch frei sind zur rhythmisch – percussiven Begleitung.
Dem dumpfen Stampfschall aber steht der heller klatschende Laut des Körpers gegenüber, den die eigenen Hände schlagen: Oberarm, Flanken, Bauch, Gesäß und Schenkel werden zu Musikinstrumenten.

Verschiedene Klatschtechniken:

Das Flachhandklatschen: die Kinger der Schlag-Hand werden geschlossen und gerade gehalten (nicht überstrecken); die Fingerfläche bedeckt beim Schlag genau den Handteller der Instrument-Hand, wober ein kleiner Hohlraum eingeschlossen wird; bei guter Ausführung ergibt sich (ohne großen Kraftaufwand) ein sehr knackiger Klang.

                             

Das Hohlhandklatschen: beide Handteller bilden beim Klatscher einen geschlossenen Hohlraum; es entsteht ein dumpfer Bass-Schlag.

                            

Das Rückhandklatschen: die Schlag-Hand spielt mit dem Handrücken in die Handfläche der anderen Hand; es entsteht kein Hohlraum, der Klang ist etwas dünner und sehr hell.

                               

Das Patschen: Patschen meint jede Art von Schlag mit der flachen Hand auf den Körper. Eine Differenzierung des Klanges ergibt sich durch das Spiel auf verschiedene Körperpartien.
Alle Partien des Körpers können bepatscht werden:

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        im Gesicht Wangen und Stirn

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        die Brust (oberer Bereich)

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        die (unbekleideten) Arme

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        die Bauchpartie

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        die Hüften

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        Po

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        Ober- und Unterschenkel (be- und unbekleidet)

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        Die (nackten) Fußsohlen.

Das Fingerschnalzen: Das Fingerschnalzen bzw. Schnipsen gilt als eigene Klanggeste. Es ist sozusagen im Gegensatz zum Klatschen der beiden Hände der Klang einer Hand. Es gibt Naturtalente für das Schnipsen, zuweilen bedarf es aber auch einiger Übung, oft spielt eine Hand leichter als die andere.

Das Zungenschnalzen: Zum Kapitel Schnalzen gehört auch noch der Zungenschnalzer. Es handelt sich dabei tatsächlich um eine Körperschlag-Aktion und nicht um eine klingende Stimm-Aktion; nur ein Teil des Stimmapparates (Zunge, Gaumen, Unterkiefer) wird aktiviert, nicht aber die klingende Stimme (ein percussives Schnalzen, bei dem mehr die Zunge wie beim ´L´ vom Gaumen wegschnellt). Das Schnalzen können wir klanglich beeinflussen, indem wir die Mundöffnung in Form einer Vokalfärbung zwischen a-, e- und o-Stellung verändern. Ähnlich wie bei den Handklängen eignet sich diese Technik vor allen Dingen zu einer klanglichen Rhythmisierung eines metrischen Impulses.

Exotische Körperinstrumente

Körperpercussion als virtuose Fußtechnik mit einer entsprechenden Klangdifferenzierung findet sich in vielen Variationen auf der ganzen Welt. So gibt es das „Clogging“ in Irland und Kanada, in den USA das „Appalachian-Clogging“ und den „Jazz-Tap“, den „Zapateado“ im spanischen Flamenco, „Khatak“ in Indien, „Gum-Boot“-Tänze in Südafrika. Im niederländischen  und norddeutschen Raum gibt es viele Holzschuhtänze (die Schuhe werden Clogs bzw. Hölzckens genannt), ebenso auch in Cuba den „baile de la chancleta“ (Tanz mit Holzschuhen), der ohne Musik und nur auf den improvisierten Rhythmen der Füße getanzt wird.

Der Schuhplattler

Der Schuhplattler ist in seinem Ursprung ein Werbetanz der Männer mit den Frauen. Darin eingebaut wird das eigentliche Schuhplatteln als Solo der Männer. Es ist quasi eine Liebeswerbung in Gebärden, in dem die Männer auf geradezu artistische Art und Weise ihre Kraft und Geschicklichkeit demonstrieren wollen.

Juba

Juba stammt aus den USA und ist besonders geeignet als rhythmische Begleitung zum Gesang. Gespielt wird im Sitzen. Eine Hand wird im Abstand von ca. 20-30 cm über dem Oberschenkel gehalten (Handfläche nach unten), und die andere Hand schwingt zwischen Bein und gehaltener Hand ab (=Patscher) und auf  (=Schlag mi t dem Handrücken).

Der Zapateado

Der Zapateado ist ein spanischer Flamenco-Tanz für einen Solotänzer. Er wird meistens ohne Musik dargeboten und nur mit Händeklatschen und Aufstampfen begleiten. Charakteristisch sind die schnellen rhythmischen Figuren, die mit den Absätzen geklopft werden.

Der Flamenco

Dies ist die Bezeichnung für andalusische Tänze und Gesänge, die wahrscheinlich auf die maurische Besetzung Spaniens zurückgehen.